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  Gabriele Basch
 

Förderkoje ART COLOGNE 2002

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aus der Serie: Spitze, 2002, Lack auf Papierschnitt
zu den Arbeiten aus der Serie: SPITZE, 2002, Lack auf Papierschnitt,
von Gabriele Basch

Die Papierschnitte der 1964 geborenen und in Berlin lebenden Malerin Gabriele Basch sind wie Spinnennetze. Verfängt sich ein Blick in ihnen, bleibt er haften. Die Informationsdichte der großformatigen Arbeiten ist derart überwältigend, dass sie en passent gar nicht zu erfassen wäre.
Erst bei ausführlicher Erkundung der filigranen, komplexen Blätter entfalten sich die in ihnen eingewobenen Informationen und erzählerischen Fragmente.
Gabriele Basch benutzt dabei eine Technik, die für lange Zeit in Vergessenheit geraten war, nämlich die des Weißschnittes / Spitzenbildes, das in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts als Sonderform des kleinen Andachtsbildes in Europa entstanden war. So hat sie wie ihre amerikanische Kollegin Kara Walker, die den Scherenschnitt verwendet, dessen Ursprung in der reinen Wiedergabe einer Silhouette liegt, eine ehemals populäre Kunstform zu neuem Leben erweckt.

Die jetzt in Köln zu sehenden halbkreisförmigen Arbeiten Baschs sind mit einer Größe von jeweils 265 x 133 cm wahre Giganten dieses Mediums, wobei sich zwei Halbrunde inhaltlich ergänzen, auch wenn sie als Einzelstücke gedacht und präsentierbar sind.
Typisch für die Arbeiten ist das zentrale Motiv, um das herum sich ein engmaschiges, wild geflochtenes Netz von Piktogrammen rankt: Werbelogos aus dem zwanzigsten Jahrhundert, vor allem niedliche und monströse Figuren, Waffensysteme wie Panzer und Interkontinentalraketen, Hammer, Streichhölzer...
Es sind diese Zeichen, die sich erst langsam, bei längerer Betrachtung der Arbeiten, aus der Fülle des Materials herauskristallisieren und dem zunächst harmonisch wirkenden, eine schöne, unbeschwerte Welt der Kindheit vermittelnden Hauptmotiv - scheinbar schwebende kleine Mädchen, mit Tennisbällen spielende Buben, junge Teenager, die gerade erst ihre Pubertät hinter sich gebracht haben - eine bedrohliche Aura verleihen.
Das Schöne, Unbefleckte, Unschuldige ist plötzlich gefährdet durch eine Umwelt, die fälschlicherweise als weit entfernt angenommen wird, die aber eben doch ununterbrochen um uns herum ist und jederzeit einen Alptraum generieren kann.
Die Szenen in diesen Arbeiten erinnern an die Romane Steven Kings, in denen süße Hauskatzen, Clownsfiguren und sonstige harmlose Dinge plötzlich zu Horrorwesen mutieren und ein Idyll nachhaltig zerstören, wobei Basch nie den Vollzug darstellt, sondern eine Atmosphäre erzeugt, in der das Mögliche vorstellbar ist. Doch gerade diese Andeutungen machen die Arbeiten so faszinierend.
Unterstrichen wird diese latente Bedrohung, diese Atmosphäre der Verunsicherung durch einen Spotlights setzenden teilweisen Auftrag eines Schokoladenbrauns auf der Vorderseite der weiß lackierten Papierschnitte, sowie durch eine wechselfarbige, durchschimmernde Farbgebung der Rückseite, durch die Basch einzelne Bildelemente stärker hervorhebt als andere, ohne jedoch diesen Details eine wirklich "bevorzugte" Bedeutung zukommen zu lassen.
Letztendlich bleiben die in den Papierschnitten angelegten Geschichten nicht fassbar. Aber das ist völlig in Ordnung, denn was in unserem Leben ist überhaupt fassbar?

Jens Pepper

   
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