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Hula Loops
Vernissage: Freitag, den 17. September 2004, 19:00 - 22:00 h
Ausstellungsdauer: 18. September - 23. Oktober 2004
Der Titel unter dem Siniša Kandic seine neuen Arbeiten präsentiert,
lässt im ersten Augenblick an das hawaiische Reifenspiel denken,
das in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den USA und Westeuropa
populär wurde: Hula-Hoop. Tatsächlich handelt es sich um den
Titel eines Musikstücks der britischen Elektronik-Band RAC. Der Wortteil
„Loop“ verweist hier auf ein typisches kompositorisches Element
der elektronischen Clubmusik, der Schleife, in der Klänge rhythmisch
wiederholt werden, Teil einer musikalischen Schichtung und Strukturierung,
ein Verfahren, das auch in visuell angelegten digitalen Kompostionsprogrammen
für den Computer angewendet wird.
Siniša Kandic hat zum einen dieses kompositorische Prinzip für
seine Glasbilder aufgegriffen und ins Bildhafte übertragen, und zum
anderen konkrete Websites des Plattenlabels WARP „gesampelt“,
jener Firma, bei der RAC die Aufnahme veröffentlichte, aus der Kandic
den Titel seiner Ausstellung abgeleitet hat.
Die Bezugnahme zur Musik entspricht den früheren Arbeiten Kandics:
farbige Streifen auf, bzw. hinter Glas, zum Teil in mehr grafischen, zum
Teil in eher malerischen Fassungen. Aber während dort die Beziehung
zur Musik synästhetischer Art war, verweisen hier nun Titel im Bild
explizit auf die Musik. Der Begriff des Designs steht durch die Übernahme
von Motiven der Homepage von WARP im Raum, deren hypertextuelle Struktur
sich auch bei Kandic durch die Verlinkung einzelner Bilder findet. Jenseits
der seit Dada bekannten Beziehungen zur angewandten Grafik in der Kunst
lenkt der Begriff zurück in die italienische Renaissance, wo er als
Disegno zentraler Bestandteil der Kunsttheorie war. In diesem Zusammenhang
meint Design mehr als nur den konzeptuellen Entwurf eines Werkes, sondern
implizit auch seine antizipierte potenzielle Wirklichkeit.
Auch die Arbeiten Siniša Kandics bewegen sich zum Teil im Potenziellen.
Die Dynamik seiner Arbeiten, die sich immer einer letztendlichen Vollendung
in der Anschauung entzieht, liegt in der Reflektion des Außenraumes
auf den Glasscheiben. Über diese Reflektionen bildet sich nicht nur
der Raum, sondern auch der Betrachter im Bildfeld ab. Siniša Kandic
macht diesen Aspekt sichtbar, indem er die ersten beiden Protagonisten
dieser Reflektionen neben den grafischen Elementen der Homepage von WARP
in Erscheinung treten lässt: den Atelierraum und sich selbst. Hier
bedient er sich der Fotografie, die digital in ein monochromes Kontrastbild
aufgelöst und vergröbert in sandgestrahlter Form auf den Glasfächen
erscheint. In dieser Beziehung zum Raum liegt eine Parallele grundsätzlicher
Art zur Musikaufnahme: 1. der Raumklang der Aufnahme und 2. die Akustik
des Raumes, in dem die Aufnahme abgespielt wird. Beides überlagert
sich in der aktuellen Erfahrung.
Mit diesem dynamischen Schwebezustand des Bildes bezieht sich Kandic auf
ein grundsätzlich geändertes Paradigma hinsichtlich der Schlüsselmetapher
für das, was ein Bild ist. Es ist nicht mehr das geöffnete Fenster
der Renaissance, hinter dem der unveränderliche, perspektivisch konstruierte
Raum liegt, es ist die Braunsche Röhre, deren Kathodenstrahl die
Bilder im Zeitfluss dynamisch zum leuchten bringt, während die Mattscheibe,
im günstigen Winkel, den Betrachter spiegelt und bestrahlt.
Thomas W. Kuhn M.A.
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