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Leta Peer - Katalog Borrowed Places
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Inszenierte Zufälligkeiten im privaten NirgendwoLeta Peer dringt in die Privatsphären von Von Thomas Kaiser Verlassene Alltagsszenen, in denen noch hastige Bewegungen nachwirken.
Gegenstände, aus einer Mischung von Willkür und Gewohnheit irgendwo
deponiert, warten auf ihren nächsten Gebrauch. Ein unsorgfältig
aufgehängtes Handtuch hier, ein zerknittertes Bettlaken dort. Zwischen Kitsch und Kunst Und mitten in diesen verlassenen Privatsphären hängen
ihre kleinen Sehnsuchtsbeschreibungen. Stilleben, halbwegs einer naiven
Bergmalerei verhaftet, halbwegs erinnernd an die großformatigen
Werke der Romantik. Zuweilen mischt Peer Sonnenstrahlen in ihre Ölfarben,
dass die Wolken über den Bergspitzen in einem Licht erscheinen, das
gar an einen Caspar David Friedrich erinnert. Aber allesamt sind diese
kleinen Miniaturen nahe am Kitsch. Kontrastieren in den fotografierten
Räumlichkeiten den Alltag mit romantischen Fluchtgedanken. Diese
Miniaturen hat Leta Peer in New York Bekannten ausgeborgt, einzig mit
der Bedingung, dass sie die kleinen Werke an jenen Orten, an denen sie
zu hängen kommen, fotografieren dürfe. Die Alltagsfluchten kamen
in Badezimmer und Wohnräume erinnerten da bloß an kitschige
Souvenirs, wenn ihnen nicht bereits Peers fotografisch-dokumentarische
Absichten angehaftet hätten. Borgen und Tauschen In der Jahresausstellung im Bündner Kunstmuseum hängen
derzeit ähnliche Miniaturen von Peer, losgelöst aus diesen Privatsphären.
Erscheinen als simple Auseinandersetzung mit der Grenze zwischen Kitsch
und Kunst. Doch vor dem Hintergrund des Projektes "borrowed places>
können sie auch anders gelesen werden. Als ein Stück Privatsphäre,
das ihnen noch anhaftet und jetzt im Museum zur Schau gestellt wird. Der
öffentliche Raum erfährt so eine Vereinnahmung durch diese
verborgnen Welten, wird beinahe selbst zur Intimsphäre erklärt.
Aufschlussreicher ist allerdings das im Christoph-Merian-Verlag erschienene
Buch zu Leta Peers "borrowed places", in dem sich die Bekannten
von Peer zu den geborgten Werken äußern, zu ihrem Umgang mit
den Miniaturen und auch mal einfach Geschichten aus ihrem Alltag erzählen.
Peer borgt so nicht einfach Miniaturen aus, sondern borgt sich dafür
eben Plätze zurück. Ein Tauschhandel. Diese Ebene wird im Buch,
der eigentlichen Dokumentation zu den "borrowed places", durch
die Gestaltung nochmals verändert. Denn die Sammlung der melancholischen
Alltagsszenerien und den unmittelbaren Kunsterlebnissen wird durch die
Gestaltung des Werkes noch einmal verändert. © Bündner Tagblatt, 2001 |
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