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Leta Peer Nähe und Ferne
von Heinz Stahlhut

klicken um zu vergrößern: Leta Peer, Berge, Mittelformat, 2001, Öl auf Holz

Leta Peer zeigt in der Ausstellung "Transatlantik - Une liaison transat.Lantique" zwei Werkgruppen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: Bei der einen handelt es sich um Fotografien eigener Arbeiten, bei der anderen um kleinformatige Ölgemälde auf Holz. Während letztere im schützenden Ausstellungsraum präsentiert werden, zeigen die Fotografien Leta Peers Werke im öffentlichen Raum: in Bahnhofshallen, U-Bahn-Schächten, gar im Wald. Während diese mit "GIFT" betitelten Fotografien die kleinformatigen Tafeln einzeln oder In Gruppen arrangiert zeigen, sind die Berge auf den Ölgemälden in lan-ger Reihe nebeneinander gehängt..

Auch motivisch scheinen sich die Werke der beiden Gruppen grundlegend zu unterscheiden: Wo die Tafeln der "GIFTs" in formatfüllender Nahsicht Gesichter junger Frauen und Männer oder auch Blüten zeigen, konfrontieren die Berge den Betrachter mit den Ansichten ferner, majestätischer Gipfel,

Was so unterschiedlich erscheint, ist In Wahrheit jedoch sehr nah verwandt. Denn sowohl für die Tafeln der "GlFTs" als auch für die Berge hat Peer den Close-up gewählt. Der Begriff bezeichnet einen Bildausschnitt der einzig ein Objekt oder gar nur ein Detail davon fokussiert und dadurch dessen Umraum dem Blick entzieht. Die so suggerierte räumliche Nähe hat in den Werken Peers inhaltliche Bedeutung. So, wie der Künstlerin, die in Basel und New York lebt, die Berge ihrer Heimat Graubünden über die Jahre hinweg nah geworden sind, wurden ihr auch die den "GIFT Tafeln" zugrunde liegenden Bildvorlagen - ursprünglich Fotomaterial aus Massenmedien und Werbung, von dem sie ange-sprochen war - vertraut.

Dies zeitigt denn auch in beiden Werkgruppen ähnliche Folgen: Stärker noch als die Berge werden die Gesichter und Blüten in den "GIFT-Tafeln in der extre-men Nahsicht zu fast rein-malerischen Strukturen, wobei uns der Blick aus dem Bilde dann um so überraschender trifft: Aufgrund des Ausschnitt-Charakters verliert das Bild den für die gegenständliche Malerei über Jahrhunderte hinweg konstitutiven Charakter der "finestra aperta", jene Illusion, hinter den Begren-zungen des Bildes täte sich ein wie immer gearteter Raum auf. Dieser Verlust wird für Peers Arbeiten jedoch zum Gewinn. Denn nun beginnen die Bilder auf unterschiedliche Weise mit dem sie umgebenden realen Raum interagieren: sei es, dass sie - wie in den GIFTs' - sich in vorgefundene, natürliche oder architektonische Ordnungen einschleichen und so das Verhältnis von Malerei und öffentlichem Raum thematisieren, oder sei es, dass - wie bei den Bergen ihre vergoldeten Ränder Schatten auf die Wand werfen, die ihrerseits durch die Lichtreflexe des Goldes gestört werden. Stets reflektieren Leta Peers Werke vielschichtig den Ort der Malerei.

   
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Biographie

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