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Brigitte Zieger Dreams & Disaster

Pressetext

 

Ausstellung: Dreams & Disaster
Vernissage: Freitag, den 13. November 2009, 19.00 – 22.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14. November 2009 bis 23. Januar 2010

Brigitte Zieger entwickelt ein Werk, das auf subtile Weise ästhetische Formen und dekorative Muster unterläuft. Sie greift bei der Ausführung ihrer Arbeiten auf vielfältige Medien wie Zeichnung, Cut-outs, Video und Skulptur zurück. Erscheinen ihre Arbeiten anfänglich ideal harmonisch, so löst sich diese Wahrnehmung bei genauerer Betrachtung langsam auf – es lauern überall versteckte Sprengladungen.

Die Künstlerin arbeitet nach Ereignissen aus dem Weltgeschehen, wie es durch die Medien wahrgenommen und transportiert wird. Aus dem Internet, aus Pressebildern von Zeitungen und Fernsehnachrichten sammelt sie Motive, die sie in ihre vielfältigen „Displays“ einarbeitet.
Deren Sichtbarkeit ist von unterschiedlicher Intensität, die Wahrnehmungsprozesse beim Betrachter laufen in verschiedenen Geschwindigkeiten ab.

In ihrem skulpturalen Werk, den „sculptures anonymes“ ruhen schwarze, lebensgroße Figuren auf weißen Sockeln in harmlosen alltäglichen Posen. Auf eine seltsame Weise erscheinen sie uns vertraut, wohl bekannt, denn es handelt sich um Personen aus den Medien - vielfach abgebildet in der Presse. Helden, wie der „Tank Man“, der sich einer Kolonne von Panzern auf dem Platz Tian´anmen in Peking entgegenstellt, oder die junge Frau, die einem Soldaten eine Blume hinstreckt. An diesem kollektiven Gedächtnis orientiert sich Zieger bei der Auswahl ihrer Protagonisten.
Geht man um die Skulpturen herum, entpuppt sich, dass die Skulpturen hohl sind, lediglich halb ausgearbeitet. Sie scheinen den Betrachter auffordern zu wollen, sich an ihrer Stelle zu platzieren, und übernehmen somit eine, an unsere Empathie appellierende Platzhalterfunktion, die eigenen Handlungsmöglichkeiten im Alltag zu überprüfen.

Auch ihre großformatigen Zeichnungen „Eye Dust“ zeugen nicht einfach von einer klassischen Schönheit, obwohl sie durchaus als eine solche Geste angelegt sind. Die schimmernde Oberfläche wirkt verlockend, sie besteht aus Lidschatten, betörend weiblich, aber auch bedrohlich in ihrer Nähe zu metallischem Glanz, wie Munition und Waffen ihn haben können.
Gezeichnet sind üppige Wolkenformationen, die sich bei genauer Betrachtung als Explosionen, Rauchentwicklungen und Bombenabwürfe herausstellen. Auch sie sind in ihrer speziellen Ausformung alle medialgeschichtlich einzuordnen, in ihrer Abbildung allerdings isoliert von ihrem ursprünglichen Kontext, so dass sie formal auf der Ebene des reinen physikalischen Phänomens bleiben.
Die inhaltlich Rekonstruktion leistet wiederum - mehr oder weniger bewusst - der Betrachter.

Die Arbeit "Flowers of Power" bezeichnet eine Serie von Cut-outs verschiedener Blütenarrangements.
Diese sind mit etwas Abstand zur Wand montiert, so dass Schatten die Schönheit und Farbverläufe der Blumen zusätzlich betonen. Nähert man sich den Bildern, erkennt man, dass sie aus Fotografien herausgeschnitten wurden, auf denen wunderschöne Sonnenauf- oder Untergänge abgebildet sind - aber auch Panzermotive. Denn es handelt sich um Kriegsmotive aus dem Irak.
Auch hier treibt die Künstlerin das bewusste Spiel zwischen naiver dekorativer Kunst und brutalem, realistischen Hintergrund auf die Spitze. Sie kritisiert die sich allgemein verbreitende Ermüdung und Gewöhnung gegenüber Kriegs- und Katastrophenbildern, ausgelöst durch die mediale Bilderflut, und versucht auf ihre desillusionierende künstlerische Weise, den Betrachter wieder zu sensibilisieren für die Verantwortung und Hintergründe, die solch ein Bild in sich trägt.

Brigitte Zieger wurde 1959 in Deutschland geboren und lebt und arbeitet seit 1979 in Paris. Ihre Arbeiten wurden international in vielen Ausstellungen gezeigt und befinden sich u.A. in den Sammlungen der Deutschen Bank und des MoMA in New York. Zu ihrem Werk sind zahlreiche Publikationen erschienen.

   
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